Wenn man von Design spricht, kann viel damit gemeint sein. Der Begriff ist keine siebzig Jahre in unserem Sprachgebrauch und hat sich erst im Zuge der zunehmenden Industrialisierung etabliert. Wenn es ums Wohnen, Einrichten und Bauen geht, dann fällt seit fast einem Jahrhundert im Raum Salzburg immer wieder ein Name: Es ist der Name Scheicher.

Nach Ende des ersten Weltkriegs gründete Alois Scheicher eine Tischlerei in Hallein: Das Unternehmen entwickelte sich gut und zählte zu den leistungsfähigsten Möbeltischlereien des Landes. Drei seiner Söhne studierten nach Ablegung der Tischlermeisterprüfung an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien Architektur, in einer Zeit, die vom Aufbruch und Wiederaufbau geprägt war. Die Brüder verfügten über einen feinen Sinn für Formen und Gestaltung Auf diesen nährreichen Boden fielen die revolutionären Ideen der fünfziger Jahre. Es waren die Hoffnungen und Visionen innovativer Architekten, wie der Skandinavier Alvar Aalto, Arne Jacobsen oder Verner Panton oder des Amerikaners Charles Eames. Der Begriff Design wurde in einer Zeit zum Synonym für Gestaltung und industrielle Formgebung. Mit dabei waren die drei Brüder, die von diesen Strömungen und Trends für ihr weiteres Leben geprägt wurden.

Die Basis für eine Neuordnung wurde geschaffen, als der väterliche Betreib in Hallein zu übernehmen war. Unter einem Dach gründeten Rudolf Scheicher neben der bestehenden Tischlerei 1954 das Architekturbüro und sein Bruder Hans 1962 das Einrichtungshaus. In dieser Zeit entstand auch eine neue, moderne Einrichtungskultur. Die von Tischlerhand gefertigten Sitzmöbel und Stähle wichen industriell gefertigten Designer-Möbeln. Skandinavisches Design überzeugte durch schlichte Form und hohe Funktionalität. Die Auseinandersetzung mit Designern wie Hans J. Wegener, Kaare Klingt, Borge Mogensen aus Dänemark und Clemens Holzmeister formte ihren Sinn für Ästhetik. Die modernen Italiener ordneten handwerkliche Fertigkeiten innovativem Design unter. Diesen neuen Ideen konnten die Brüder schon während ihres Studiums einiges abgewinnen und etablierten sich zu bedeutenden Impulsgebern für zeitgenössisches Design in Salzburg. Das Möbelhaus übersiedelte 1974 von Hallein in die Stadt Salzburg. Wertvolle Geschäftsbeziehungen zu Herstellern und Designern wie Cassina, Vitra, USM, Wittmann, Alvar Aalto oder Arne Jacobsen entstanden. Archetypen der Moderne, die heute in Museen zu finden sind, standen einst und heute im Ausstellungsraum des Möbelhauses, welches von Stefan Scheicher geführt wird.

Die Leidenschaft zum Handwerk, die Verbundenheit zum Holz sowie die Lust am Gestalten wirken bereits in der dritten Generation bei Hans Werner, Georg, Rudolf und Stefan Scheicher. Wie ihre Vorfahren sammelten auch sie ihre ersten Erfahrungen in der Tischlerei. Georg Scheicher studierte nach der HTL und seiner Tischlerlehre Betriebswirtschaft und in Mailand Design. Sein Bruder Hans Werner absolvierte an der TU Wien, wie der Vater, Architektur. Nach dem zu frühen Tod des Vaters übernahmen die beiden Brüder 1994 das Architekturatelier.

Dann wiederholte sich die Geschichte. Gemeinsam erarbeiteten die beiden Brüder für das Unternehmen eine neue Identität. Sie erkannten die Herausforderungen ihrer Zeit. Eine neue Ästhetik entstand – die Ästhetik der Nachhaltigkeit. Nach der Industrialisierung und einem starken Wachstum leiteten Klimawandel sowie die Verknappung von Ressourcen eine Wende ein. Handwerk und Qualität gewinnen wieder an Bedeutung. Georg Scheicher legte mit seinem Design Manifest zu Thema Nachhaltigkeit 1998 die Schiene für diese neue Identität. Mit Sinnesgenossen wie Thierry Kazazian und Niels Peter Flint gründete er O2, heute eine der wichtigsten Diskussionsplattformen für ressourceneffizientes Design weltweit.

All diese Entwicklungen waren wichtig, denn sie legten das Fundament für das S-House in Böheimkirchen, das im November 2006 den ersten Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit verleihen bekam. Heute nimmt das Architektur-Büro eine Leuchtturmfunktion ein und ist ein wichtiger Impulsgeber über die Grenzen Salzburgs hinaus in Sachen ressourceneffizientem Design und nachhaltiger Innovationen.